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Reisebericht Rußland 2005 Familie Rockmann
13. 01. 2006
Nachdem unser Junior seit 3 Jahren schulpflichtig ist und damit
Reisen in den kälteren Monaten nach Nordafrika ausfallen (2 Wochen Ferien
sind nach meiner bescheidenen Meinung zu kurz für eine Reise mit eigenem
4x4 nach Nordafrika) und Schicki-Micki-Urlaube á la Rimini in Westeuropa
uns zu doof sind, waren wir in den letzten Jahren wieder in Osteuropa. 1999
waren wir z.B. in Rumänien und 2003 waren wir in Polen, Litauen und
Lettland. In diesem Jahr sollte es Rußland sein.
Wir sind mit einer Fähre von Scandlines von Rostock nach Libau (Liepaja)
gefahren, so spart man sich die nervige Anreise über Polen und Litauen.
Die Fähre ist eine reine Ro-Ro-Fähre, es gibt keine 5 Restaurants,
auch keine 10 Bars, es ist ein wenig wie eine Mischung aus Betriebskantine
und Autohof auf dem Wasser; aber völlig ausreichend und wesentlich preiswerter
als Touristenfähren. Die meisten Fahrzeuge auf der Fähre hatten Kennzeichen
aus Ländern der ehem. Sowjetunion mit Russisch sprechende LKW-Fahrer.
Die Überfahrt war bestens: nettes Personal, gutes Essen, nette Mitreisende,
spiegelglattes Meer bzw. Ostsee.
Durch Lettland sind wir in diesem Jahr nur durchgedüst, haben lediglich
einen kurzen Abstecher zur Burg des Deutschen Ordens in Jaunpils (liegt nur
ca. 10 km von der Hauptstrecke Libau-Riga entfernt und hat ein schönes
Museum sowie eine Ritterkneipe) zum Mittagessen gemacht. In Jurmala bei Riga
waren wir auf dem Schicki-Micki-Campingplatz. Die Stadtdurchfahrt durch Riga
(später auch Tallin und St.Petersburg) war -wie die letzten Male auch-
chaotisch, da in der Stadt kaum etwas ausgeschildert ist, hier half nur der
Stand der Sonne, GPS und Gefühl (nein auch das gefühllose Anschreien
der Ehefrau bzgl. der Karte half nicht!).
Weiter gings Richtung Estland, ab Libau übrigens alles im Dauerregen.
Auf Grund des Regens haben wir uns nicht viel in Estland angesehen, obwohl
es geplant war. Der Blick ins Internet zeigte, daß es überall im
Umkreis von 1000 km die nächsten Tage regnet, eine Änderung der Reiseroute
machte also keinen Sinn.
Wir haben uns Tallin angesehen, es ist eine schöne restaurierte alte Hansestadt.
Einen brauchbaren Stellplatz oder Campingplatz im Raum Tallin haben wir nicht
gefunden, trotz daß diese in der Karte verzeichnet waren. Der einzige
Campingplatz im Süden von Tallin, direkt an der Autobahn wollte uns nicht
wegen „geschlossener Gesellschaft“. Wir haben dann einen Stellplatz
mitten in einem Fischerdorf an der Ostsee gefunden. Weiter ging es bei viel
Regen über Rakvere (mit einer schönen Burg) zum Peipussee. Dessen
Ufer ist im Norden komplett von Anwohnern und Datschen besiedelt. Unterwegs
fanden wir ein ehem. sowjetisches Kinderferienlager, welches leer stand. Daneben
steht ein neues Hotel. Also kurze Absprache mit dem Hotel und schon stand der
Iveco vor einer alten Ferienlagerbaracke mit nagelneuen Sanitäranlagen
(Erstbezug der Toiletten) und großem trockenem Aufenthaltsraum. Endlich
konnten wir mal wieder alle Kleidung trocknen und unser Sohn konnte im Trockenem
spielen.
Nach 3 Tagen (bei Beginn der Visen) ging es nach Narva zum Grenzübergang.
Kurze Besichtigung der Burg Hermannsfeste und am anderen Tag über die
Grenze nach Rußland. Das dauerte auch nur 2,5h: Fahrt zum Kontrollposten,
Rückfahrt zu einem Speditionshof, anstellen nach Jeton, warten in der
Schlange, grünen Zettel abfassen, Fahrt zum Grenzübergang, Kontrolle
aller Papiere in EST, Fahrzeugbesichtigungen, Kontrolle aller Papiere in RUS,
viele Zettel ausfüllen, 4 Führungen durchs Fahrzeug, Abschluß einer
russ. Versicherung, Kontrolle aller Papiere in RUS.
Und schon ging es weiter nach Peterhof bei St. Petersburg. Hier hatte Zar Peter
I. seine Sommerresidenz mit tausenden Springbrunnen. Es war beeindruckend!
Viele Pauschaltouris, aber man bekommt als Individualtourist direkt vor dem
Haupteingang einen kostenfreien Parkplatz (hier oben ist man noch nicht auf
Individualtouristen eingestellt). Dann sollte es über einen Damm über
Kronstadt weiter nach Olgino gehen. Ups, den Damm gibt’s noch gar nicht
(wußte MarcoPolo/Shell/Mair aber nicht und verzeichnet den Damm seit
Jahren in ihren Karten). Also quer durch Petersburg (5 Mill. Einwohner) vorbei
am Winterpalais (heute ist hier die Ermitage; 1917 begann die Oktoberrevolution
nach einem Salutschuß des Panzerkreuzers Aurora mit dem Sturm des Winterpalais)
nach Norden in den Vorort Olgino. Die meisten Straße waren in einem
brauchbaren Zustand. Richtig schlimm waren die Bereiche der Straßenbahnen
auf Kreuzungen in Petersburg. In Petersburg ist laut Ausschilderung die Einfahrt
für Fahrzeuge über 3,5 t verboten. Der Verkehr war noch „dynamischer“ als
in nordafrikanischen oder gar südeuropäischen Großstädten...
(der kundige Leser weiß was ich meine).
Der Campingplatz in Olgino ist ein heruntergekommenes, versüfftes und
vergammeltes ehemaliges Hüttencamp am Hotel „Olgino“. Wahrscheinlich
hat man neben dem ehemals funktionierendem Hüttencamp ein neues Hotel
gebaut, dann das Hüttencamp verwahrlosen lassen und für die paar
Individualtouristen als „Campingplatz“ ausgewiesen. Naja, wir sind
autark ausgerüstet und haben den „Campingplatz“ lediglich
als Stellplatz für eine Nacht genutzt.
Die nächsten 3 Nächte schliefen wir dann im Hotel St. Petersburg
direkt an der Newa gegenüber dem Panzerkreuzer Aurora. Das hatte den Vorteil,
daß wir schnell in der Innenstadt waren und einen bewachten Parkplatz
für den Iveco hatten.
Kulturhistorisch ist Petersburg inkl. Peterhof und Puschkin (Bernsteinzimmer)
beeindruckend und ein Besuch jedem empfohlen. Tausende Museen, teils heftiger
Eintritt (ca. 65,-EUR für 3 Personen im Katharienpalais), teils langes
Anstehen nach Billette (bis zu 1h), aber es ist es wert!
Am beeindruckenstem war die Ermitage (es gibt u.a. einen Saal mit über
40 Bildern von Rubens) im Winterpalais sowie das Katharienpalais in Puschkin
mit dem Bernsteinzimmer.
Kostenfrei ist der Eintritt zum Panzerkreuzer „Aurora“.
Petersburg ist eine moderne europäische Großstadt. Ich habe übrigens
noch nie so viele G500 und Lexus wie hier gesehen.
Weiter ging es Richtung Novgorod. Nowgorod hat wohl ca. 230.000 Einwohner und
ist sehenswert.
Der nächste Campingplatz ist erst in Moskau. Wir haben also abends abseits
der Straßen über Feldwege usw. uns Stellplätze gesucht. Im
Gegensatz zu D führen Feldwege usw. aber meist zu kleinen Ortschaften,
Weilern oder einzelnen Gehöften. Waldwege sind schwierig, die Fahrspuren
waren wohl alle von Ural- oder Kraß-LKW´s. Da kommt man mit 235/75-R17,5
nicht weit.
Man muß halt suchen, und wenn man doch Besuch bekommt, auf diesen zugehen,
einen Begrüßungstrunk anbieten und auf die Deutsch-Russiche Freundschaft
anstoßen. Funktionierte prima.
Unser Sohn konnte an Flüssen erfolgreich angeln (auweia und das ohne Angelschein:
danach fragt dort aber niemand).
Über Pskow ging es wieder zurück nach Estland. In Pskow habe ich die
bisher schlechtesten Straßen welche ich kenne erlebt!
Die Ausreise dauerte nicht mal 1h, problemlos, trotz 6 Führungen durchs
Fahrzeug. Fast alle Grenzer, russ. wie estnische, sprachen hier übrigens
deutsch.
In Jurmala haben wir nochmals Zwischenstation gemacht. Wir hatten unserem Sohn
nach diesen vielen Museen versprochen, hier bei schönen Wetter einige
Tage auf dem Campingplatz zu bleiben. Der Campingplatz in Jurmala hat nämlich
ein Spaßbad.
Nach 3 schönen Wochen ging es dann mit der Fähre von Libau wieder
zurück nach D.
Fazit:
Die Ein- und Ausreise nach RUS war problemlos.
Wir wurden nicht ein einziges Mal von der Verkehrspolizei oder anderen Ordnungshütern,
abgesehen von der problemlosen Grenzabfertigung, angehalten oder kontrolliert.
Ich war vor 17 und 21 Jahren das letzte mal in der damaligen SU. Im Gegensatz
zu damals ist es zumindest in o.g. Regionen sauber (abgesehen von den WC´s)
und die Versorgungslage gut. Hätten wir unsere Mietzekatze mitgenommen,
sie hätte ihr gleiches Kittekat und Whiskas vor Ort kaufen und futtern
können wie zu Haus. Wer Maggi-Produkte mag, braucht sie nicht von D
aus mitzuschleppen.
Sprachlich muß man sich keine Sorgen machen. In Petersburg spricht auch
jeder Taxifahrer, Kellner usw. etwas englisch. Außerhalb ist es für
jemanden, der kein Russisch sprich etwa so, als wenn ich nach Frankreich oder
Nordafrika fahre, ich spreche weder französisch noch arabisch und doch
funktionierts. Aber zum Glück spreche ich ein wenig Russisch und meine
Frau ganz gut.
Auf Individual-Tourismus ist man in RUS nicht vorbereitet, zum Glück.
So bekommt man vor dem Haupteingang in Peterhof oder dem Katharienpalais in
Puschkin jederzeit einen kostenfreien Parkplatz.
Essen gehen kann man zu dritt für 5-15,-EUR, in Hotelrestaurants auch
mal für 50,- EUR (na da zahlt man in D mehr, oder?).
Bezüglich der Sicherheit, kann ich nur sagen, daß ich nicht ein
einziges mal ein ungutes Gefühl hatte oder eine brenzlige Situation bestand.
Nein, es gab auch keine betrunkenen und Kalaschnikow-bewehrten Menschenfresser,
wie viele Pauschaltouries scheinbar glauben.
Erschreckend waren die Vielzahl von geführten Womo-Touren: 9 Fahrzeuge
von Mafratours, 14 vom ADAC, etwa genau soviel von Perestroikatours. Bei der
Fahrt zur Fähre trafen wir im Baltikum auch noch Kugatours mit 24 Wohnmobilen
und Roteltours... Der Glaube an den bösen Iwan sitzt anscheinend doch
tief.
Ich kann nur jedem, der in der Lage ist, ohne Animateur sowie Reiseleiter in
den Urlaub zu fahren und Interesse hat, empfehlen, nach RUS zu fahren. Wir
haben nur nette und freundliche Menschen getroffen (halt, eine Ausnahme:
eine Dame am Taxibuchungsstand in dem Hotel in Petersburg; Taxis vor diesem
Hotel konnte man nicht beim Taxifahrer chartern, sondern mußte in die
Lobby zu diesem Stand; diese Dame wollte an 3 verschiedenen Tagen für
die gleiche Strecke –Taxipreise sind vorher auszuhandeln- 3 verschieden
Preise -bis zum doppelten Preis-, als wir sie daraufhin wiesen, wurde die
echt stinkig..., ich kann aber auch einige russ. Schimpfwörter).
Es war eine schöne Reise und wir wollen vielleicht nächstes
Jahr nach Moskau und in den Oblast Tula (hier war ich vor 21 Jahren mal an
der Erdgastrasse arbeiten) fahren.
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Fotosession]
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